Saturday, 22 August 2009

Elsbeth in Japan
21.8.
Heute Abreise aus Tokyo, das sicherlich noch mehrere Tage an Besichtigung wert gewesen wäre, aber man soll ja immer etwas für ein nächstes Mal aufbewahren, also sayonara Tokyo.
Es geht zum Mt Fuji, aber leider ist ausgerechnet heute das Wetter sehr wolkig, also Fuji futsch in den Wolken. Aber von Zeit zu Zeit reissen die Wolken bei der Anreise auf und man hat gute Sicht auf diesen beeindruckenden Berg, der mit 3776 m Höhe als höchster Gipfel Japans aus seiner Umgebung heraussticht. Es ist Sommer und daher ist der Gipfel schwarz, das photogene Zuckerhäubchen aus Schnee ist für eine andere Jahreszeit. Daher verschwende ich auch nicht allzu viel Zeit, einen Fuji mit vielen Photos zu dokumentieren, denn aus der diesigen Ferne ergibt dies nichts.
Die Basis des Berges ist zirka 40 km breit und die Kegelvulkanform klassisch. Die Japnaer haben bis auf rund 2400m eine Serpentinenstrasse de Luxe gebaut, die in den Kurven immer einen geriffelten Strassenbelag hat , um mehr Sicherheit zu gewährleisten. Hier könnten unsere Strassenbauer etwas lernen.
Auf der Anhöhe 2400m ist ein grosser Souvenirshop und sind auch einige Restaurants im grossen Stil. Von hier aus startet die Fujibesteigung, die für jeden Japaner ein fast religiöses Erlebnis bedeutet. Wir werden nur mit dem Bus hingekarrt und haben genau 30 Minuten Aufenthalt. Wie bedaure ich, dass ich nicht an dem allgemeinen Aufbruch auf den Berg teilnehmen kann, auch wenn dies hier ein organisierter Massenbetrieb ist. Die Japaner wandern anscheinend nur in Gruppen. Diese treffen sich am Eingang zum Aufstieg, der mit einem Holztor gekennzeichnet ist. Dann kommt ein Gruppenphoto und der Wanderführer gibt eine aufmunternde Ansprache mit Tips etc die dann mit einem dreifachen Faust in die Höhe begleitet von Ausrufen, die sicher dem Deutschen Zickezacke entsprechen, endet, wobei dann alle mitschreien. Und dann geht es los. Die Wanderer sind alle exzellent ausgerüstet und gegen die Sonne geschützt. Bei manchen geht dies sogar soweit, dass sie ein schwarzes Tuch vor ihren Hut hängen und nur die Augen von unter dem Hut rausschauen. Die Talibans hätten hier ihre grösste Freuden. Aber nicht nur die Frauen sind so verhüllt. Man sieht keine nackten Beine oder Arme, obwohl die Temperatur hier unten noch bei 26° liegt. Die Japaner kennen die Kraft ihrer Sonne, die wirklich gnadenlos ist, was manche Europäer leider nur zu spät merken. In jeder der Gruppe, mit denen ich gereist bin, sind ein bis zwei Personen total erbrannt , obwohl sie - so behaupten sie - Sonnencreme aufgetragen haben. Also die paar Europäer, die in Bermudas den Fuji besteigen, werden es sicher bereuen. Ich gehe bis zum ersten Anstieg. Die Serpentinen schlingen sich in einer gut berechneten Steigung hoch.














Der Untergrund ist pure schwarzrote Lavaasche, also staubig. Wie immer sind die Japaner gut organiseert. Aufstieg und Abstieg sind im Einbahnsystem, selbst der Weg rund des Kraters ist nur in einer Richtung begehbar. Wohl auch besser so in Anbetracht der Anzahl von Wanderern. Dicht an dicht geht es nach oben. Die Park Ranger lassen immer eine Gruppe nach der anderen im 5-Minutenabstand losgehen. Wehe also dem, der in seiner Gruppe zurückhängt. Und heute werden sie nicht einmal mit einer guten Sicht belohnt. Als wir mit dem Bus abreisen, verhüllt dichtester Nebel den Berg. Darum also auch die Empfehlung, nur mit einer Kopflampe ausgestattet die Wanderung zu beginnen.
Die vielen Nichtwanderer beglücken sich in den vielen Souvenirshops mit kleinen Fujimodellen und glücksbringenden kleinen Glöckchen etc. Die Japaner sind die geborenen Souvenirkäufers. Es gehört zur guten Sitte, den Daheimgebliebenen kleine Geschenke mitzubringen, alles Schreckliche ist erluabt. Viele springen nur aus dem Bus und gehen direkt rein in den Laden, den sie erst bei Busabfahrt dann verlassen, beladen mit Plastiktüten. Man begreift nun die Mentalität der japanischen Touristen in Europa.

Es geht weiter nach Hakone, das an einem See liegt, der in einem alten Kaldera entstanden ist, dem Lake Asji.
Hakone ist auch berühmt für seine Onsen, das sind die Thermalquellen, die in Japan überall heraussprudeln, wenn man nur ein wenig bohrt.
Nach einer schrecklichen Bootsfahrt Disneylandstyle und nur in einer Nebelwand (aber für die Japaner ist PRogrammm Programm, egal wie) werden wir zum Hotel gebracht, wo ich dann mein erstes Onsen Erlebnis habe. Das Hotel hat eigene Onsen in seinem Zengarten, die die Gäste benutzen können. Wenn man nun glaubt, man hüpft da fröhlich hinunter und springt mal so rein, dann täuscht man sich gewaltig. Alles unterliegt hier einem strengen Ritual.
Im Zimmer liegt ein Kimono aus. Diesen muss man anziehen mit den dazugehörenden Latschen (die laut kleinem Plakat sterilisiert sind, also ich bekomme keinen Fusspilz).
Dann fährt man mit dem Lift direkt hinunter in den Badebereich, wo einem bedeutet wird, dass man von hier aus nur noch barfuss laufen darf. Ausserdem bekommt man ein klitzekleines Handtuch,, dieses wird das einzige Objekt sein, das man später mitnehmen darf.
Nun ist man in einem Raum, der gut ausgestattet ist mit Einweghaarbürsten, Bodylotion, Hautcremes aller Art, Spiegel, Haarföhns etc. Hier sind die am Werk, die das Bad schon hinter sich haben. Für mich geht es nun darum, den Kimono und das grosse Handtuch, das ich aus dem Zimmer mitnehmen musste, in ein Schliessfach zu legen und dann mit meinem kleinen Tüchlein weiter in einen Waschraum zu gehen. Dort sind kleine, durch eine niedrige Mauer abgetrennte Waschzellen mit kleine Plastikhockern, einer niedrig angebrachten Dusche, einem Eimer, Desinfektionsmittel, Seife, Shampoo, Haarconditioner, Duschgel.
Man muss nun erst den kleinen Plastikstuhl desinfizieren und dann sitzt man darauf, man ist nun von evtl Blicken rechs und links geschützt und muss sich von oben bis unten abschrubben und waschen.. Dann wird die Seife gut abgespült und man kann nun in die Onsen eintauchen, wo schon einige Japanerinnen sitzen, die einen aufmerksam betrachten. Das kleine Tüchlein lege ich wie die Japanerinnen gefaltet auf das Haupt, denn es darf aus hygienischen Gründen nicht in das Wasser kommen.
Man kann nun die Onsen im Innenbereich und im Aussenbereich benutzen. Sie haben rund 41° Temperatur und riechen ganz leicht nach Schwefel. Das Wasser ist sehr weich.
Im Aussenbereich sind die Onsen von einem Zengarten umgeben. Ich kann jedem nur die Anlage eines solchen Gartentyps empfehlen. Man geht nur ab und an mit einer Harke durch die Steinchen , kein Rasenschneiden. Die einzelnen Pflanzen darin muss man pflegen und ein wenig bonsaimässig zuschneiden - fertig ist die Gartenanlage. Man kann sich reinsetzen und meditieren.
Ich bleibe lange im Onsen sitzen. Es ist sehr entspannend.
Natürlich bin auch ich neugierig und schaue mir die Frauen an. Also ich kann nur sagen, unter den Kleidern sind die angeblich zierlichen Figuren der Japanerinnen trügerisch schön. In Natur bin ich doch ein bisschen enttäuscht. Meine Theorie der kurzen Beine in Proportion zum Oberkörper halte ich aufrecht. Steife Silikonbrüste leider schon verbreitet, denn im algemenen sind die Frauen hier relativ flach, nur ganz wenige haben ein bisschen Balkon von Natur aus. Orangenhaut jedoch findet man nicht, die zeigen nur die europäischen Frauen, die gerade hinzugekommen sind. Es muss wohl auch am Futter liegen, denn selbst korpulentere japanische Frauen haben keine Zellulitis.
Diese Betrachtungen sollen nicht boshaft sein, sie entspringen ganz einfach einer gewissen Neugierde.
Ich werde keine Onsenphotos bringen.
Dann noch ganz kurz zu den Schwierigkeiten bei Bodylotion etc. Alles nur auf japanisch geschrieben. Es gab also in der Umkleidekabine jede Menge Hihi der Frauen, die mir dann im einzelnen mit Gestik vermittelten, für was die einzelen Cremen und Lotionen gut sind. Fasziniert sahen sie zu, wie mein Haar eben nicht so glatt wie ihres wird beim Föhnen, die Neugierde ist immer beiderseits.
Nun noch schick machen und ab in die Bar, wo eine Pianistin spielt. Alles sehr traditionell, aber immerhin ein wenig Unterhaltung.