Elsbeth in Japan
Also heute, Dienstag, den 19.8. verlief der Morgen weniger hektisch. Ich war pünktlich zur Stelle, wenn auch noch sehr müde durch die Zeitverschiebung. Ich schlafe morgens am besten, weil es dann bei uns so rund Mitternacht ist.
Ziel heute Kamakura. Die Gruppe: die Reiseleiterin, ein Amerikaner namens Scot und ich.
Wir fahren mit dem Vorortzug nach dem Ort Kamakura, das im 12. und 13. Jahrhundert ein wichtiger Regierungssitz einer mächtigen Shogun Familie (die Familie Minamoto) war. Wir erleben noch die Atmosphäre des Pendlerzuges, der wie eine Sardinenbüchse durch Tokyo fährt. Da es rund 9 Uhr war, ging es schon wieder besser, aber wir fühlten uns trotzdem eingeengt. Erst nach ein paar Stationen ging es besser. In der wirklichen rush hour betreten die Profipendler die Ubahn nur noch rückwärts, da es sich nur darum dreht sich auch noch in den Waggon reinzudrücken, und das tut man besser rückwärts. Wieder die Uniformen weisses Hemd, schwarzer Anzug und die Office Ladies - oder wie man sie hier nennt die "OLs" schick angezogen mit hohen Absätzen, die unter den Japanerinnen, die zur Arbeit gehen, sehr beliebt sind. Vielleicht wollen sie damit die Tatsache ausgleichen, dass sie im allgemeinen eher kurze Beine haben in Proportion zu ihrem langen Oberkörper. Allerdings der schnelle Schritt zur Arbeit macht diese hohen Absätze weniger elegant. Die meisten OLs sind nur mit ihrem Handy beschäftigt, die Männer zwar auch, aber nicht im selben Masse. Der neben mir hatte Manga Komiks auf seinem Bildschirm, aber recht scharfe. Na ja, die durchschnittliche Pendeldauer für einen Arbeitnehmer in Tokyo beträgt 70 Minuten, da muss man sich halt auch amüsieren.
Als wir dann aus dem Zentrum von Tokyo herauskommen, ergattern wir sogar einen Sitzplatz, denn die Reise dauert ca 1 Stunde.
Kamakura verfügt über eine Reihe von interessanten historischen Stätten und liegt am Meer mit einem schönen langen Strand.
Unter dem Shogunat (12./13. Jahrhundert) gewinnt der Zen-Buddhismus grossen Einfluss in Kamakura und es wurde die mit 13,3 m zweitgrösste Buddha-Statue Japans aufgestellt, eine Bronzestatue des Amida Buddhas. Ursprünglich war die State durch einen Tempelbau geschützt, doch dieser wurde im 15. Jahrhundert durch eine Tsunami zerstört und dies, obwohl dieser Bau auf einer beträchtlichen Anhöhe war. Die Buddha Statue blieb aufgrund ihres ausserordentlichen Gewichtes stehen.
Unweit der Statue steht der Hase Tempel aus dem 13. Jahrhundert mit der grössten Holzskulptur eines Buddhas in Japan, die man jedoch nicht photographieren darf. Ausserdem ist hier ein Zahn Buddhas in einem Quarzschrein aufbewahrt.
Der Hase Tempel ist ein beliebtes Ziel für Familien, vor allem wenn ein Kind krank ist oder starb, werden hier Votive hinterlassen. Man kann auch um Kindersegen bitten, hier wird Hilfe geboten.
Wer in diesem Tempel ist, verpasst es auch nicht, die gesammelte Bibliothek, die in einem kunstvoll geschnitzten Gehäuse aufbewahrt wird, zu drehen, das ersetzt sehr viele Gebete, vergleichbar mit Gebetsmühlen.
