Heute ein Ausflug nach Nikko, das als World Heritage
eingestuft wurde und dies nicht umsonst. Ich werde
hier aber keinen Reiseführer kopieren, ich lasse vor
allem die Bilder für sich sprechen. Nur ganz kurz
einige Anmerkungen.
Die Japaner sind bei religiösen Sachen wirklich sehr praktisch eingestellt. Von allem holt man sich, was passt. Shinto für die angenehmen Dinge im Leben,Buddhismus für Tod und Krankheit (wenn man
plötzlich hofft auf ein Leben nach dem Tod oder eine
Wiedergeburt) und die christliche Kirche für so Dinge
wie Weihnachte, das die Japaner mit Leidenschaft
feiern.
In Nikko haben sie dann von Anfang an gleich Shintoismus
und Buddhismus in einer Tempelanlage untergebracht.
Shintoismus hat Schreine, der Buddhismus hat Tempel. und hier in Nikko ist alles einträchtig beieinander. Wie pragmatisch die Mönche sind
zeigt die Tatsache, dass sie jedes Jahr von
Brauereien oder Whisky distillerien (oder beiden)
Fässer gestiftet bekommen, wenn sie diese
dafür dann leer im Tempelbereich stehen lassen
mit den Firmenmarken gut sichtbar. So sieht man
denn also in jedem Tempel solche Fässer und als
Europäer ist man dann eben ein wenig verwundert.
Die Lage am 2484 m hohen Vulkan Nantai-San hat sicher
auch für solch ein religiöses Zentrum gesprochen.
Ausgangspunkt für den prunkvollen Ausbau der Anlage
war der Bau eines Mausoleums für den ersten Shogun
Tokugawa im 17. Jahrhundert. Sein Enkel steckte ein
Vermögen in die Verehrung seines Grossvaters. Alle
seine Samurai mussten einen Beitrag leisten. Einer
davon war ein armer Kerl und der hatte eigentlich die
originellste Idee, er versprach 3000 Japanzederbäume
zu pflanzen, denn er rechnete sich aus, dass ihn das
Grundmaterial dafür eigentlich nichts kostete. Er liess
dann seine Bauern einen riesigen Zedernwald anpflanzen,
der heute noch mit altehrwürdigen Bäumen steht und
die Landschaft prägt.
Ansonsten überschlägt sich die Anlage an Meisterwerken
der Baukunst.
Eines sei noch erwähnt: Das Affenbild mit nichts sagen,
nichts sehne, nichts hören, das wir so gerne politisch sehen,
ist traditionell im Shintoismus verwurzelt und bedeutete
eigentlich, dass die Kinder kein böses Wort in den Mund
nehmen sollen, kein böses Wort hören sollen und nichts
Böses sehen sollen. Pure Kindererziehung also und die
macht eigentlich Sinn.
Im Anschluss an den Tempelbesuch noch ein Fahrt zu einem
grossen Kratersee in der Nähe und dem Wasserfall, der aus diesem See
über harte Basaltsäulen sich in die weichere Gesteinsmassen
gegraben hat. Fast 100m hoch, ein beeindruckendes Schauspiel.
Leider hat das Wetter nicht so mitgemacht. Das Gebirge
um den See herum lag in dichten Wolken.
Rückfahrt nach Tokyo, wo wir bei Dunkelheit ankamen im
Shinjuku Zentrum, einem völlig neuen Wolkenkratzer Zentrum
von Tokyo. Die Skyline ist vielleicht nicht so hoch wie in New
York wegen der Erbebengefahr, aber was hier in den letzten
10-20 Jahren gebaut wurde ist wohl das feinste vom feinsten
an moderner Architektur. Ich bin ja kein Fan von solchen
Hochhäusern, aber dieses weite Zentrum ist von einer ästhetischen
Schönheit, die einem die Sprache verschlägt, kaum eine Bausünde,
alles gut durchdacht und durchgeorganisiert. Mit Strassen und Plätzen für
Fussgänger und Fahrräder (ja auch die gibt es in zunehmenden Masse
in Tokyo, die dürfen - noch - auf den Gehwegen fahren im allemeinen
Verkehrsfluss mit den Fussgängern und tun dies mit der
japanischen Rücksicht auf andere, die so vorbildlich ist und
das Zusammenleben hier so angenehm macht.
Bei Nacht ist die Shinjuku Gegend besonders schön, denn die
Lichter in den Gebäuden bringen die schöne Architektur
erst so richtig zum Vorschein. Und man kann sich hier mit der
grössten Sicherheit auch bei Nacht bewegen. Es sind noch viele
Menschen unterwegs, zu 90% Männer, die noch pflichtgemäss in
betrieblich georganisierten Gruppen in Bars aufgereiht sind.
Sie sagte unsere Reiseleiterin: Mein Mann kommt immer nur gegen 1 Uhr
nach Hause und beim Abendessen am Sonntagabend sagen die
Kinder zu ihrem Papa, also dann Tschüss bis Samstag.
Dann noch geschind ein Konzert in der Tokyo City Opera,
ebenfalls in einem futuristischen Gebäude. Ein modernes Requiem
von einem Deutschen geschrieben (Franz Jochen Herfert).
Die Musik war gewöhnungsbedürftig, aber die Japaner waren
hingerissen. Es gab viel Applaus und der Komponist war
höchstpersönlich da und bekam Blumen überreicht.
Der Konzertsaal einmalig schön von einer traumhaften Akustik,
hier wurde finanziell an nichts gespart, Kultur ist den Japanern
traditionell wichtig.