Elsbeth in Japan
Nach meiner Shopping Tour in Ginza beschloss ich noch spontan, in das alte Kabuki-Cho Theater zu gehen, das in derselben Strasse liegt wie die grossen Kaufhäuser. Dieses alte Gebäude hat den Immobilienrausch (ein m² hier soll angeblich 300.000$ kosten) überlebt. Kabuki-Cho ist eine alte Tradition und sehr beliebt. Alle Rollen werden von Männern gespielt. Die Stücke sind traditionelle Komödienstücke, die einfach nur unterhalten sollen. Ich bekam nur noch einen Stehplatz ganz oben, alles war ausverkauft. Der Besuch dieses Theaters kann das Image, das wir von den Japanern haben, total umkrempeln. Ich habe noch nie sowas erlebt. Das Publikum war begeistert, wie Italiener. Das Stück handelte vom Verteidigen der Jungfräulichkeit, die Ehefrau, die ihre Ehre verteidigen muss, tapferen Samurais und tolpatischigen Dienern etc, Sex and Crime, alles was so ins Cliché passt. Und die Menschen schrieen oft wie im Kasperletheater, wo die Kinder schreien, Kaspar, pass auf, der Verbrecher steht hinter dir.
Eine Burleske und natürlich die Männer in Frauenrollen mit Geishakostümen und weiss geschminkt. Immer wieder Applaus auf offener Szene. Einige Schauspieler, die neu hinzu kamen, wurden mit Gegröhle begrüsst. Also so gar nicht zurückhaltend, wie wir die Japaner sonst kennen. Man sah viele Männer noch in ihren Büroanzügen, weisses Hemd, schwarze Hose ist hier so die Uniform des Salarismannes.
Ihr seht, mein Abend war ausgefüllt und nach einem schlechten Start heute morgen, muss ich jetzt eine Mütze Schlaf nehmen, denn sonst hocke ich rum wie die Japaner, die stehend und sitzend in der U-Bahn in den Schlaf fallen. Die U-bahn ist sozusagen das verlängerte Schlafzimmer der japanischen Angestellten. Die Japaner sind eine Nation mit chronischem Schlafmangel. Laut unserer Reiseleiterin kommt ihr Mann erst nach Mitternacht nach Hause und ihr Abendessen findet um 1 Uhr nachts statt. Er beginnt seine Arbeit um 9.30. Mittlere Pendlerstrecke einfach in Tokyo 70 Minuten!!! Und das ist völlig normal.