Sunday, 23 August 2009

Elsbeth in Japan
22.8.
Heute Aufbruch mit dem Shikansen nach Nagoya und dann nach Toba, wo ich dann eine Nacht in einem Hotel sein werde.
Der Shikansen ist der ganze Stolz der Japaner. Er fährt im Schnitt 300kmh, Aufenthaltsdauer am Bahnhof für Aus-und Einstieg 1 Minute. Durchschnitt der Verspätungen aufs Jahr gerechnet 36 Sekunden. Ich glaube, wenn die Lokführer hier so Verpätungen wie in Deutschland oder Frankreich hätten, dann würden sie Harakiri machen.
Ich lese gerade die Japan Times und da heisst es, dass ein Prozess wegen eines Zugunglücks von vor 5 Jahren nogmaals aufgerollt wird. Der Lokführer hat ein zu schnelles Tempo gefahren, da er mehrer Sekunden Verspätung hatte. Dadurch flog er aus einer Kurve und landete mit seinem Zug in einem Appartmenthaus. 107 Tote, vor allem in dem Haus und viele Verletzte. Dies war vor zirka 5 Jahren. Anscheinend ist der Gesichtsverlust und die Bestrafung gross, wenn es zu einer Verspätung kommt. Die Japaner können einfach Verspätungen nicht ausstehen. Gestern waren einige Italiener unserer Gruppe 3 Minuten verspätet am Treffpunkt, das war für unsere Reiseleiterin eine grössere Katastrophe und sie wollte nicht afhören, sich bei den anderen für diese Verspätung zu entschuldigen. Die kamen an diesem Tag nie wieder zu spät!
So, unser Shikansen geht nur 270kmh, da er öfter hält. Dafür entschuldigt sich der Lokführer. Die « nur » 270kmh sind jedoch im Fahrplan vorgesehen. Was für eine perfektionistische Welt!
Wir kommen in Nagoya an, wir, das sind zwei sympathische italienische Ehepaare und ich. Eine Reiseführerin für die Stadt steht schon bereit und im Eiltempo werden wir zuerst in ein Restaurant gebrach für eine japanische Mahlzeit, wieder köstlich, ich kann die japanische Küche nur loben, wo viel Variation im Geschmack ist wirklich einmalig. Und immer super zubereitet. Das einzige was sich immer gleich bleibt ist halt der Reis, den ich mit immer mehr Geschicklichkeit mit den Essstäbchen packen kann.
Dann geht es zur Burganlage von Nagoya, die die typische Burgenstadt Architektur hat, wie man sie in Japan sehr häufig findet. Nur war Nagoya der Sitz eine Sohnes des wichtigen Shoguns Tokugawa und daher wurde hier mit nichts gespart. Allein schon die Grösse der Anlage nimmt einem den Atem. Leider wurde die Burg aus dem 16. Jahrhundert im zweiten Weltkrieg völlig zusammengebombt und wir haben eine originalgetreue Rekonstruktion aus dem Jahre 1959 vor uns. Nur die Verteidigungsmauern aus gigantischen Steinen zusammengesetzt - wieder ohne Mörtel, um gegen Erdstösse resistent zu sein - konnte den Luftangriffen widerstehen. Ein unglaubliches Glück war es, dass die Einwohner vor allem das Palastgebäude leergeräumt hatten. Sie haben die ganzen Schiebtüren, die reich verziert waren, herausgenommen. Offensichtlich war ihnen klar, dass sie Angriffsziel sein werden, denn Nagoya ist die Heimatstadt von Toyota, also ein strategisches Ziel. Bis in einem Jahr soll auch noch der zum Palast gehörende Administrations- und Wohntrakt rekonstruiert sein und damit bekommen die geretteten Kulturgüter wieder ihren Platz zurück, wenn auch nur in Form eines Museums.
Vom Palast geht es dann zum Toyota Museum, das einen guten Überblick über die Entwicklung der Firma vom Hersteller von mechanischen Webstühlen zum Autoproduzenten gibt. Der Herr Toyoda, ja er schrieb sich mit d war ein unruhiger Erfindergeist, der viele Patente anmeldete und auch einige teuer z.B. an die Amerikaner verkaufen konnte. Mit diesem Geld wollte er sich unbedingt seinen Traum von der Autoproduktion erfüllen. Er war nämlich durch Europa und Amerika gereist und hat dort Autos gesehen, die es in Japan zu diesem Zeitpunkt praktisch nicht gab. Er beschloss, dass auch Japan an dieser Entwicklung teilnehmen musste und importierte ein Auto, um es von seinen Arbeitern auseinandernehmen zu lassen. Diese mussten dann von Hand alle Stücke nachbilden und dann zusammensetzen. Zuerst alles aus Holz (darin besitzen die japanischen Handwerker auf Grund ihrer Tempeltradition grosses Geschick) und dann aus Stahl, und für die Stahlversion hatte er das knowhow seiner Webstuhlarbeiter. Die ersten Modelle von Herrn Toyoda liessen dann eine gewisse Eleganz missen. Der Weg zum kompetitiven Auto war dann doch noch recht steinig.
Im zweiten Weltkrieg war dann die ganze Industrieanlage von Toyota in Schutt und Asche. Hier haben die Japaner eben sehr viel gemein mit den Deutschen.
Nach diesem interessanten Ausflug in das industrielle Japan geht es dann weiter mit einem lokalen Zug nach Toba, der Stadt die Frauenherzen höher schlagen lässt, denn hier ist die Wiege der Perlenzucht.