Saturday, 29 August 2009

Elsbeth in Japan
Samstag 29.8.
Heute Ausflug nach Kameoka mit einem historischen Zug. Eine Bahnlinie durch eine Schlucht im Nordwesten von Kyoto. Blick auf einen wilden Fluss, in dem einige Flösse und Kajaks mit den Stromschnellen kämpfen.
Publikum im Zug vorwiegend Erwachsene, die sich wie die kleinen Kinder freuen über die Tatsache, dass entlang der Bahnlinie immer wieder so Plastik Murmeltiere aufgestellt sind. Manchmal sind die Japaner wie die kleinen Kinder und furchtbar romantisch. Das bekommt man nicht in Einklang mit ihrer Technik Versessenheit.
Die jungen Mädchen haben sich zum Wochenende herausgeputzt, eine Mischung von Schulmädchen Unschuld und Lolita. Spitzen und kurze Röcke oder Hot Pants sind in Mode, dazu Schmollmund und hohe Absätze, mit denen sie mehr schlecht als recht gehen können.
Nach der Rückkehr ins Zentrum von Kyoto, Spaziergang durch Gion, das Geisha Viertel und siehe da, am Samstag sieht man doch vereinzelt Kimonoträgerinnen, einige sind Maikas, d.h. junge Mädchen, die eine Geisha Schulung mitmachen. In ihren echten Kimonos mit den Riesenschleifen am Rücken sehen sie aus wie Bonbonverpackungen. Aber eine richtige Geisha ...
Doch, da kommt plötzlich ein grosses schwarzes Auto mit weisbehandschuhtem Chauffeur. Der Wagen muss in der Fussgängerzone langsam fahren und so sieht man dann plötzlich eine echte Geisha. Die japanischen Männer raunen und stöhnen, einige von ihnen rennen mit dem Auto mit, um sie zu sehen und evtl auch ein Photo zu machen.
Die Frau im Auto sieht aus wie eine Porzellanpuppe, ein Kunstwerk. Ganz weiss geschminkt, das Haar hochgesteckt, zierliche Figur, schicker Seidenkimono. Hier leistet sich jemand eine teure Dame für die Nachmittagsunterhaltung.
Geishas stehen noch immer in hohem Ansehen, das hat man an der Reaktion der Männer gemerkt, die eine Mischung von Sehnsucht und Ehrfurcht ist.
Ja, und dann kommt mein Augenblick. Es ist Wahlkampf und die Politiker gehen auf die Strasse. Dies tat auch der Transport- und Fremdenverkehrsminister von Japan. Ein für japanische Verhältnisse relativ grosser Mann. Ich sehe wie er (ich weiss zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wer er ist) auf mich zukommt, im Gefolge seine Bodyguards. Er will mir die Hand schütteln, stellt sich vor auf Englisch (nicht allzu berühmt, Aussprache 5). Wir werden umringt von den Leuten, die hören wollen, was ich zu sagen habe. Ich gratuliere ihm zu dem guten Zugsystem und zu der Pünktlichkeit seiner Züge. Sage, dass ich gerne in Japan bin, dass ich mir jedoch wünschte, dass mehr englische Hilfen für den Touristen gegeben werden, damit man sich besser zurechtfinden kann. Am liebsten hätte ich ihm auch ein paar Privatstunden Englisch zur Verbesserung seiner Aussprache angeboten, aber nun, man ist ja höflich und hier in Japan ist Höflichkeit oberstes Gebot.
Ich werde morgen mit einem lachenden und einem weinenden Auge Kyoto verlassen. Eine schöne Stadt, aber Koyasan und der heilige Berg erwartet mich, oder besser gesagt, der Mönch Shimutsu, der mir die Zusage für eine Unterkunft in seinem Tempel per mail geschickt hat. Also morgen abend werde ich dann mit den Mönchen speisen und am Montag in aller Frühe (um 6 Uhr) dann Meditation und "Gottesdienst", zu dieser Teilnahme verpflichtet man sich, wenn man im Tempel übernachtet.
Nun, am Dienstag abend habe ich dann hoffentlich wieder Internet Anschluss und kann berichten