Sunday, 23 August 2009

Leider kein Geld für eine Perlenkette

Elsbeth in Japan
Toba und der Ise -Shima Nationalpark.
Das Hotel in Toba dominiert von einem Hügel aus die Ise Bucht, die heute als Nationalpark geschützt ist. Man muss nämlich wissen, dass die Japaner sich in den letzten 30 Jahren wohl zu einer der ökologischsten Nation der Welt entwickelt haben. Die Flüsse fast lupenrein, Bäume sind prinzipiell geschützt (man holzt in Kanada ab), Müll wird rezykliert, dass wir Deutschenschon wieder Stiefkinder sind. Meere müssen geschützt werden, damit auch die zukünftige Generation Fische hat (man überfischt die Weltmeere, aber nicht die eigene Küste), mit den Thermalquellen werden ganze Heiz- und Warmwassersysteme ausgeklügelt, aber man lässt gleichzeitig die Aircondition auf Hochtouren laufen und die Häuser sind schlecht isoliert. Ja, und eine neue Erkenntnis, ich habe seit zwei Tagen beheizte Klodeckel, Temperatur kann ich auswählen. Ich bin nur noch nicht draufgekommen, ob ich die auch kühlen kann, denn es ist sehr heiss hier.
Aber nun zurück zu der schönen IseBucht, die ich leider vor lauter Gucken nicht photographiert habe. Da wo Naturschönheit ist, da findet man in Japan einen Shintoschrein, und da die Natur hier besonders schön ist, ist hier auch das höchste Shinto Heiligtum Japans, das der Sonnengöttin Amatrasu gewidmet ist. Jahrlich kommen 6 Millionen Besucher hierher. Das Besondere an diesem Schrein ist, dass, zurückgehend auf ein Kaiserdekret aus dem 12 Jahrhundert, dieser Schrein alle 20 Jahre rekonstruiert wird. Nur Kriege oder andere Krisen haben diesen Rhythmus kurzfristig unterbrochen. Man brannte den alten Schrein ab und baute alles neu. Da man hier jedoch von rund 200 Gebäuden spricht, hat man das Ganze ein wenig gelockert. Und damit die Pilgerströme immer kommen können, gibt es zwei Anlagen, eine die besucht wird und eine wo die neuen Gebäude gebaut werden. Man wollte dies auch so, um die traditionelle Handwerkskunst nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Tempel werden im traditionellen Stil gebaut und wir haben die Handwerker bei ihrer Arbeit gesehen, denn 2013 ist der Abschluss der Rekonstruktion vorgesehen. Früher hat man die reichen Tempelgaben dann verbrannt oder evtl besonders wertvolle Kulturgüter an andere Tempel oder Privatleute weitergegeben. Eine radikale Wiedererneuerung also.
Der Schrein war enorm gut besucht, die Leute werfen eine Münze vor den Schreinen ihrer Wahl, verbeugen sich dann zweimal (90° wenn sie es noch können), dann klatschen sie zweimal in die Hände, damit die Gottheit sie auch hört, und verbeugen sich noch zweimal. So einfach ist das im Shintoismus, so schnell geht es einem dann besser. Während dieser Zeremonie kann man einen Wunsch sich ausdenken.
Dann gehen die Familien fröhlich in das Shopping Zentrum ausserhalb des Geländes, das ebenfalls im alten Stil mit kleinen Holzhäusern aufgebaut ist. Und da gibt es wieder Kitsch jede Menge und die kulinarischen Spezialitäten der Region, an jeder Ecke wird etwas genascht. Tofueis, Eis mit grünem Teegeschmack, Meeresfrüchte in allen Variationen, Soyanudeln, spezielle Kuchen usw.
Apropos Kuchen, habe ganz vergessen zu berichten, dass im Bahnhof von Nagoya eine lange Schlange geduldig wartender Japaner war, und ihr werdet es nicht glauben, sie warteten auf Baumkuchen. Ein japanischer Bäcker hat mehrer Rollen am Drehen, er hat vermutlich in Deutschland die Baumkuchenfabrikation gesehen und hat damit hier in Japan einen Hit gelandet. In einer langen Schlange warten ist eigentlich etwas, das die Japaner nicht akzeptieren, sie wollen schnell bedient sein.
Nach einem wieder exzellenten Mittagsmahl gehen wir zur Perlen Insel oder Mikimoto Insel, wo das Perlenmuseum steht und natürlich auch eine grosse Verkaufsfläche.
Dort wird zuerst gezeigt, wie die Perlentaucher früher gearbeitet haben. Die Taucher waren ausschliesslich Frauen, denn die können angeblich länger den Atem anhalten und mit ihrer Fettschicht auch mehr gegen die Kälte angehen. Denn eine solche Ama, wie diese Taucherinnen heissen, ist 4-5 Stunden im Wasser. Heute gibt es noch 1300 Amas in der Bucht. Sie werden schon als Kinder trainiert und können über eine Minute unter Wasser bleiben.
Meist arbeiten sie im Team mit ihrem Ehemann, der das Boot führt und die Frauen auf ein Zeichen hin sehr schnell nach oben zieht an einem Seil. Somit begeben diese Frauen eigentlich ihr Leben in die Hände ihres Mannes. Ich würde dies für meinen Teil im Moment nicht ausprobieren.
Die Frauen sind ganz in Weiss gekleidet, denn anscheinend schreckt diese Farbe die Haie ab. Die Ganzkörperbekleidung schützt auch vor den Quallen. Heute ist das einzig Moderne am Outfit die Tatsache, dass sie unter der weissen Bekleidung Taucheranzüge tragen. Aber eine Pressluftflasche ist nicht erlaubt, um Überfischung zu vermeiden. Es muss traditionelle gearbeitet werden. Man muss nämlich wissen, dass die Perlen eigentlich nur ein Nebenprodukt waren. Eigentlich bezahlt werden die Frauen nach dem Gewicht der Austern bezahlt, die sie emporbringen und ein weiteres Produkt, das sie abernten sind bestimmte Algensorten.
Mikimoto hat das Nebenprodukt der Perlen am Hals der Frauen schon als junger Mensch bewundert und es hat sich in ihm festgesetzt, dass mehr Frauen solch einen Schmuck haben sollten, man musste nur die richtige Methode finden, um die Austern anzuregen. Er hat dann intensiv geforscht um eine effektive Methode zu finden, die als Ergebnis möglichst regelmässig geformte Perlen bringt. Die Ateliers die in die Austern eine kleine "Perlmuttsaat" einbringen gleichen einem Operationssaal. Mit viel Geschick wird die Saat eingebracht in den Bereich der Auster, der für die Perlmuttproduktion zuständig ist.
Die Austern müssen dann 3 Jahre in eine Aquakultur in der Ise Bucht untergebracht werden. Nur 1/3 der Austern liefern dann ein Ergebnis. Taifune, Bakterienbefall, rote Algen und andere Vorkommnisse bringen Verluste von 2/3.
Die Qualitätsauslese ist nach wie vor manuell und mit den Augen. Und die gehen dem Betrachter über, wenn er die historischen Schmuckkreationen im Museum sieht.
Der Museumsladen am Ausgang ist dann eine grosse Versuchung. Die Preise sind deutlich geringer als in Europa und man muss sagen, Mikimoto ist tolle Qualität.
Aber was soll's, ich bin noch 2 Wochen unterwegs, da gibt es andere Prioritäten.
Abends werden wir in den Zug verfrachtet und heute abend schreibe ich in einem Hotel in Kyoto meine Berichte, denn in Toba gab es keinen Internetanschluss.