Friday, 28 August 2009

Kyoto - Takayama - Kanazawa

Elsbeth in Japan
26.-28.8.
Kyoto - Takayama - Kanazawa
Durch die japanische Alpen
Mittwoch morgens geht es mit der Bahn nach Nagoya und dann mit einem lokalen Zug quer durchs Land, durch tiefe Schluchten an deren Ränder sich auf der einen Seite gerade mal eine enge Strasse schmiegt und auf der anderen Seite die Bahnlinie, die sehr häufig sich durch enge Tunnels schlängeln muss, da kein Platz ist. Auch dies ist Japan, wirklich unerwartet wilde und unberührte Landschaften., klare Gebirgsbäche und Wälder, wohin man auch schaut. Sehr grüne, fast dschunglehafte Vegetation.
Nur ab und zu weitet sich das Tal ein wenig und schon finde man ein handtuchgrosses Reisfeld und ein kleines, abgelegenes Häuschen dabei.
Erst in der Nähe unseres Ziels weitet sich das Tal inmitten der Gifu Berge, die bis 3000 m Höhe erreichen,und macht Platz für eine Stadt von rund 67.000 Einwohnern, Takayama.
Unser Hotel ist in Bahnhofsnähe gelegen und wir werfen schnell die Koffer ab, um noch bei Tageslicht das historische Stadtzentrum zu besichtigen. Dieses besteht aus engen Strassenzügen, an denen sich kleien Holzhäuscen reihen, die glücklicherweise alle heute unter Denkmalschutz stehen, denn sonst hätten wir auch hier die Sünden der 50er- und 60er Jahre.
Im Winter ist Takayama oft durch Schneemassen von der Aussenwelt abgeschlossen, was vielleicht die Entwicklung der Stadt lange hemmte. Tradition war und ist hier die Holzverarbeitung. Möbel und Kunsthandwerk auf Basis von Holz bestimen noch heute das Einkommen der Menschen., wobei man sich fragt, wie sie hier die billige Made in China Konkurrenz abwehren können, denn die Waren sind sehr teuer.
Ein anderer Wirtschaftszweig ist wohl der Tourismus geworden. Vor allem japanische Touristen sind total verliebt in die Vergangenheit ihrer glorreichen Edo Periode. Und Japaner kaufen Souvenirs - jede Menge.
Im Frühjahr und Herbst ist hier ein grosses Festival, das mit grossen historischen Umzugswagen in seiner Art wohl einmalig ist. Es geht bis in die Nacht hinein, wobei dann die Umzugswagen mit den traditionellen japanischen Lampions beleuchtet sind. Die ganze Stadt beteiligt sich an der Organisation dieses Riesenspektakels, zu dem Tausende von Touristen kommen. In einem Museum kann man einige der prächtigen historischen Umzugswagen sehen, andere sind über die Stadt verteilt in grossen Scheunen untergebracht. Man fürchtet, dass sonst bei einem evtl Feuer alle vernichtet werden würde. Wie überhaupt das Thema Feuer allgegenwärtig ist bei dieser Holzbauweise. Es ist selbst in den Strassen absolutes Rauchverbot.
Nach dieser auführlichen Besichtigung begebe ich mich in das Onsenbad des Hotels zur Entspannung. Eine tolle Einrichtung. Leider sind alle in der Gruppe so verklemmt (Italiener, Kanadier, Australier), dass keiner ausser mir diese Gelegenheit wahrnimmt, dabei sind die Onsen strikt getrennt nach Männchen und Weibchen. Aber man muss eben nackt hineingehen ....
Am Abend leiste ich mir ein tolles Abendessen mit dem berühmten Rindfleisch der Hida Region, das einem Kobe Fleisch ebenbürtig ist, aber Gott sei Dank preislich deutlich günstiger. Das Steak (das erste Fleisch, das ich seit 10 Tagen zu mir nehme) ist sehr klein, aber so was von lecker. Wie feiner Marmor sieht es aus, es ist durchzogen von winzigen Fettadern, daher saftig. Man bereitet das Steak selbst auf einem heissen Stein zu, ohne Zugabe von Fett, darum ist es sehr bekömmlich trotz des Fettanteils.

Donnerstag
Besuch des morgendlichen Marktes in Takayama, wo man Gelegenheit hat, die örtlichen Spezialitäten zu probieren. Dann Weiterfahrt in Richtung Kanazawa. Unterwegs Besuch von historischen Bauernhäusern, die Dank eines deutschen Architekten, Bruno Taut, der in den 20er Jahren hier reiste und die Einmaligkeit dieser Architektur erkannte, unter Denkmalschutz gestellt wurden. (siehe Photos)
In solchen Bauernhäusern lebten bis zu 40 Menschen der Sippe zusammen. Da die Landwirtschaft sehr arm war, bot sich als Nebeneinkommen die Seidenraupenzucht und die Verarbeitung der Seide an. Dazu musste die Familie zahlreich sind und gut zusammenarbeiten. Die historischen Photos sind beeindruckend. Wie haben die nur alle Platz gefunden in diesen Häusern?
Mit Gokayama beuschen wir noch ein Dorf mit diesen Häusern, das aber heute fast schon wie Brügge in Belgien total überrannt ist vom Tourismus.
Dann noch die Besichtigung einer traditionellen Papierfabrik, in der das Papier für Lampions, Tuschezeichnungen, Postkarten etc, hergestellt wird in traditioneller Handarbeit. Sehr schönes und kostbares Papier, das erstaunlich widerstandsfähig und elastisch ist. Es wird aus einer Pflanze hergestellt, die es hier in grosser Menge in den Wäldern gibt. Der Prozess der Fasergewinnung ist sehr zeitaufwändig, aber das Ergebnis ist von grosser Schönheit.
Kanazawa ist dann abends unserer Endstation. Mit dem italienischen Ehepaar aus Rom, mit dem ich mich angefreundet habe, gehe ich dann in ein italienisches Restaurant (oder der japanischen Interpretation davon). Die beiden haben Heimweh nach der Pasta. Sie ist Napolitanerin und gibt dann der Küche noch Anweisungen, wie es zu machen ist. Diese nicken höflichst, wie es hier der Brauch ist, verstehen aber absolut nichts. Das Ergebnis war nicht zu schlimm und wir hatten sogar Orvieto Wein.

Freitag
Kanazawa war von einem Shogun als Gegenpol zu Kyoto geplant. Er hat sehr viel Ehrgeiz in dieses Projekt gelegt und heute noch sind- dank Denkmalschutz in letzter Minute - einige alte Strassenzüge bewahrt. Vor allem das Geisha Viertel ist bekannt durch viele Romane. Auch heute noch gibt es hier Geisha Schulen. Ein Abend mit einer Geisha ist sehr teuer, kostet rund 700 Euros. Die Geisha darf man nicht anfassen , viele der Geschichten mit Liebe und so stimmen also gar nicht. Wenn man den Arm um eine Geisha legt, und sei es auch nur für ein Photo, dann geht sie auf der Stelle. Eine Geisha darf auch nicht verheiratet sein, dann muss sie ihren job aufgeben und dann macht sie halt z.B. ein Geisha Teehaus auf und macht Tee Zeremonien, die ebenfalls teuer sind.
Ein weiterer Höhepunkt ist Kenrokuen Garten, der von den Shoguns angelegt wurde und zu den 3 schönsten Gärten Japans zählt. Ich leiste mir im Teehaus im Zentrum dieses Gartens eine Tee Zeremonie. Ich bin alleine inimit zwei Japanern und imitiere eben denen ihre Verneigungen. Was soll man anders tun. Man steht als Europäer sehr häufig wie ein Barbar da. Hier sind die Leute so höflich. Der Polizist, der die Autos an einer Baustelle anhält, verneigt sich vor dem ersten Wagen der hält. Der Zugschaffner kommt ins Abteil, nimmt die Mütze ab und verneigt sich. Er entschuldigt sich dann, dass er unsere Fahrkarten kontrollieren muss. Deutsche Bundesbahn was nun???
Nach einer guten Mahlzeit mit viel grünem Tee sitze ich nun im Zug nach Kyoto. Ich bin sehr froh, dass meine Pläne für die nächsten Tage sich konkretisieren. Ich habe den Interrail Pass aktiviert und eine Zusage vom einem Tempel in Koyasan bekomme, dass ich dort für zwei Nächte bleiben kann. Also morgen noch eine Tag in Kyoto und dann werde ich sicherlich zwei bis drei Tage nicht auf Internet sein.