Wednesday, 19 August 2009

Elsbeth in Japan
Heute ein Ausflug nach Nikko, das als World Heritage
eingestuft wurde und dies nicht umsonst. Ich werde
hier aber keinen Reiseführer kopieren, ich lasse vor
allem die Bilder für sich sprechen. Nur ganz kurz
einige Anmerkungen.
Die Japaner sind bei religiösen Sachen wirklich sehr praktisch eingestellt. Von allem holt man sich, was passt. Shinto für die angenehmen Dinge im Leben,
Buddhismus für Tod und Krankheit (wenn man
plötzlich hofft auf ein Leben nach dem Tod oder eine
Wiedergeburt) und die christliche Kirche für so Dinge
wie Weihnachte, das die Japaner mit Leidenschaft
feiern.
In Nikko haben sie dann von Anfang an gleich Shintoismus
und Buddhismus in einer Tempelanlage untergebracht.
Shintoismus hat Schreine, der Buddhismus hat Tempel. und hier in Nikko ist alles einträchtig beieinander. Wie pragmatisch die Mönche sind
zeigt die Tatsache, dass sie jedes Jahr von
Brauereien oder Whisky distillerien (oder beiden)
Fässer gestiftet bekommen, wenn sie diese
dafür dann leer im Tempelbereich stehen lassen
mit den Firmenmarken gut sichtbar. So sieht man
denn also in jedem Tempel solche Fässer und als
Europäer ist man dann eben ein wenig verwundert.
Die Lage am 2484 m hohen Vulkan Nantai-San hat sicher
auch für solch ein religiöses Zentrum gesprochen.
Ausgangspunkt für den prunkvollen Ausbau der Anlage
war der Bau eines Mausoleums für den ersten Shogun
Tokugawa im 17. Jahrhundert. Sein Enkel steckte ein
Vermögen in die Verehrung seines Grossvaters. Alle
seine Samurai mussten einen Beitrag leisten. Einer
davon war ein armer Kerl und der hatte eigentlich die
originellste Idee, er versprach 3000 Japanzederbäume
zu pflanzen, denn er rechnete sich aus, dass ihn das
Grundmaterial dafür eigentlich nichts kostete. Er liess
dann seine Bauern einen riesigen Zedernwald anpflanzen,
der heute noch mit altehrwürdigen Bäumen steht und
die Landschaft prägt.
Ansonsten überschlägt sich die Anlage an Meisterwerken
der Baukunst.
Eines sei noch erwähnt: Das Affenbild mit nichts sagen,
nichts sehne, nichts hören, das wir so gerne politisch sehen,
ist traditionell im Shintoismus verwurzelt und bedeutete
eigentlich, dass die Kinder kein böses Wort in den Mund
nehmen sollen, kein böses Wort hören sollen und nichts
Böses sehen sollen. Pure Kindererziehung also und die
macht eigentlich Sinn.


Im Anschluss an den Tempelbesuch noch ein Fahrt zu einem
grossen Kratersee in der Nähe und dem Wasserfall, der aus diesem See
über harte Basaltsäulen sich in die weichere Gesteinsmassen
gegraben hat. Fast 100m hoch, ein beeindruckendes Schauspiel.
Leider hat das Wetter nicht so mitgemacht. Das Gebirge
um den See herum lag in dichten Wolken.

Rückfahrt nach Tokyo, wo wir bei Dunkelheit ankamen im
Shinjuku Zentrum, einem völlig neuen Wolkenkratzer Zentrum
von Tokyo. Die Skyline ist vielleicht nicht so hoch wie in New
York wegen der Erbebengefahr, aber was hier in den letzten
10-20 Jahren gebaut wurde ist wohl das feinste vom feinsten
an moderner Architektur. Ich bin ja kein Fan von solchen
Hochhäusern, aber dieses weite Zentrum ist von einer ästhetischen
Schönheit, die einem die Sprache verschlägt, kaum eine Bausünde,
alles gut durchdacht und durchgeorganisiert. Mit Strassen und Plätzen für
Fussgänger und Fahrräder (ja auch die gibt es in zunehmenden Masse
in Tokyo, die dürfen - noch - auf den Gehwegen fahren im allemeinen
Verkehrsfluss mit den Fussgängern und tun dies mit der
japanischen Rücksicht auf andere, die so vorbildlich ist und
das Zusammenleben hier so angenehm macht.
Bei Nacht ist die Shinjuku Gegend besonders schön, denn die
Lichter in den Gebäuden bringen die schöne Architektur
erst so richtig zum Vorschein. Und man kann sich hier mit der
grössten Sicherheit auch bei Nacht bewegen. Es sind noch viele
Menschen unterwegs, zu 90% Männer, die noch pflichtgemäss in
betrieblich georganisierten Gruppen in Bars aufgereiht sind.
Sie sagte unsere Reiseleiterin: Mein Mann kommt immer nur gegen 1 Uhr
nach Hause und beim Abendessen am Sonntagabend sagen die
Kinder zu ihrem Papa, also dann Tschüss bis Samstag.
Dann noch geschind ein Konzert in der Tokyo City Opera,
ebenfalls in einem futuristischen Gebäude. Ein modernes Requiem
von einem Deutschen geschrieben (Franz Jochen Herfert).
Die Musik war gewöhnungsbedürftig, aber die Japaner waren
hingerissen. Es gab viel Applaus und der Komponist war
höchstpersönlich da und bekam Blumen überreicht.
Der Konzertsaal einmalig schön von einer traumhaften Akustik,
hier wurde finanziell an nichts gespart, Kultur ist den Japanern
traditionell wichtig.

Tuesday, 18 August 2009


Der Eingang zum Tsurugaoka Hachimangu Schrein



Elsbeth in Japan
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Hier wieder die Gelegenheit mit dem Rauch der Stäbchen sich Intelligenz in Richtung Kopf und Geld in Richtung Hosentasche zu fächeln.
Ich fächle und fächle!



Elsbeth in Japan
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Die grösste Holzglocke von Japan



Elsbeth in Japan
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Lotusteich bei der Buddhastatue von Kamakura. Die Lotuspflanze hat ihre Wurzeln im Sumpf, es gelingt ihr jedoch sich aus diesem Sumpf aufzurichten und die schönsten Blüten zu haben. So wie der Lotus ist auch der Mensch fähig, sich aus den Niederungen, dem Morast des Alltags zu erheben und grosse Dinge zu tun - so wenigstens sieht der Buddhismus das.



Elsbeth in Japan
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Mönche auf dem Weg zur Meditation



Elsbeth in Japan
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Zengarten im Buddhistenkloster von Kamakura



Elsbeth in Japan
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Elsbeth in Japan
Also heute, Dienstag, den 19.8. verlief der Morgen weniger hektisch. Ich war pünktlich zur Stelle, wenn auch noch sehr müde durch die Zeitverschiebung. Ich schlafe morgens am besten, weil es dann bei uns so rund Mitternacht ist.
Ziel heute Kamakura. Die Gruppe: die Reiseleiterin, ein Amerikaner namens Scot und ich.
Wir fahren mit dem Vorortzug nach dem Ort Kamakura, das im 12. und 13. Jahrhundert ein wichtiger Regierungssitz einer mächtigen Shogun Familie (die Familie Minamoto) war. Wir erleben noch die Atmosphäre des Pendlerzuges, der wie eine Sardinenbüchse durch Tokyo fährt. Da es rund 9 Uhr war, ging es schon wieder besser, aber wir fühlten uns trotzdem eingeengt. Erst nach ein paar Stationen ging es besser. In der wirklichen rush hour betreten die Profipendler die Ubahn nur noch rückwärts, da es sich nur darum dreht sich auch noch in den Waggon reinzudrücken, und das tut man besser rückwärts. Wieder die Uniformen weisses Hemd, schwarzer Anzug und die Office Ladies - oder wie man sie hier nennt die "OLs" schick angezogen mit hohen Absätzen, die unter den Japanerinnen, die zur Arbeit gehen, sehr beliebt sind. Vielleicht wollen sie damit die Tatsache ausgleichen, dass sie im allgemeinen eher kurze Beine haben in Proportion zu ihrem langen Oberkörper. Allerdings der schnelle Schritt zur Arbeit macht diese hohen Absätze weniger elegant. Die meisten OLs sind nur mit ihrem Handy beschäftigt, die Männer zwar auch, aber nicht im selben Masse. Der neben mir hatte Manga Komiks auf seinem Bildschirm, aber recht scharfe. Na ja, die durchschnittliche Pendeldauer für einen Arbeitnehmer in Tokyo beträgt 70 Minuten, da muss man sich halt auch amüsieren.
Als wir dann aus dem Zentrum von Tokyo herauskommen, ergattern wir sogar einen Sitzplatz, denn die Reise dauert ca 1 Stunde.
Kamakura verfügt über eine Reihe von interessanten historischen Stätten und liegt am Meer mit einem schönen langen Strand.
Unter dem Shogunat (12./13. Jahrhundert) gewinnt der Zen-Buddhismus grossen Einfluss in Kamakura und es wurde die mit 13,3 m zweitgrösste Buddha-Statue Japans aufgestellt, eine Bronzestatue des Amida Buddhas. Ursprünglich war die State durch einen Tempelbau geschützt, doch dieser wurde im 15. Jahrhundert durch eine Tsunami zerstört und dies, obwohl dieser Bau auf einer beträchtlichen Anhöhe war. Die Buddha Statue blieb aufgrund ihres ausserordentlichen Gewichtes stehen.





Unweit der Statue steht der Hase Tempel aus dem 13. Jahrhundert mit der grössten Holzskulptur eines Buddhas in Japan, die man jedoch nicht photographieren darf. Ausserdem ist hier ein Zahn Buddhas in einem Quarzschrein aufbewahrt.
Der Hase Tempel ist ein beliebtes Ziel für Familien, vor allem wenn ein Kind krank ist oder starb, werden hier Votive hinterlassen. Man kann auch um Kindersegen bitten, hier wird Hilfe geboten.



Wer in diesem Tempel ist, verpasst es auch nicht, die gesammelte Bibliothek, die in einem kunstvoll geschnitzten Gehäuse aufbewahrt wird, zu drehen, das ersetzt sehr viele Gebete, vergleichbar mit Gebetsmühlen.


Monday, 17 August 2009

Shopping in Ginza

Elsbeth in Japan
Japan - eine Nation mit Shopping als Leidenschaft.
Ein grosses Warenhaus in Japan ist nicht nur mals so was, wo man hingeht. Vor jedem Eingang stehen schon mal mehrer Hostessen, die freundlich sich verbeugen, lächeln, ihre Hilfe anbieten, einen aufmerksam machen auf spezielle Angebote. Wenn man dann mal mit freundlichem Nicken vorbeigeht und mit den Schultern gezuckt hat, da man nichts versteht, dann beginnt ein Spiessrutenlauf. Jede Abteilung hat mehrere Verkäuferinnen, die freundlich jeden, der verbeigeht, begrüssen. Höflichkeit ist von enormer Bedeutung hier. Aber natürlich für den Kunden auch ermüdend, wenn man immer freundlich zurückgrüssen muss. Die Auswahl ist gross, alle grossen Firmen sind vertreten und die Japaner lieben europäische Labels.
Aber das Nonplusultra ist in Japan die Lebensmittelabteilung der Warenhäuser. Vergesst Lenotre oder Fauchon in Paris, Harrods oder Fortnum and Mason in London, sie sind eine läppische Grösse im Vergleich zu was man hier sieht (und nicht nur einmal). Die Japaner haben das feinste vom feinsten im Angebot und noch viel mehr. Eine Auswahl, die einen umwirft. Sei es die vorgekochten Leckerbissen, sei es das Gebäck, sei es die Confiserien. Viele Dinge, die ich noch nie gesehen habe. Freundlich wurde mir dann und wann ein kleines "Versucherle" gereicht. Die Obst- und Gemüseabteilung gleicht einem Kunstwerk, nur Topqualität und die toll präsentiert. Es muss den Japanern grauen vor dem, was bei uns als Topware angeboten wird. Natürlich sind auch die Preise olala.
In einer der Lebensmittelabteilung war neben den Fischen eine winzigkleine Sushibar mit 6 Stühlen, wovon gerade einer frei wurde. Hierin zwängte ich mich, ich landete neben 2 älteren (85+) Damen. Vor mir die Riesenmesser der 2 Sushichef, die immer direkt hinter der Glaswand vor mir niedergingen auf die armen Fische. Als sie mich sahen ging ein grosses Hihi los. Ich passte kaum in diese winzigkleine Umgebung. Eine Bedienung kam mit einem kleinen Plakat und deutete auf einen englischen Text: excuse us but you will have 5 minutes waiting time. Ok für mich, deutete ich an und bestellte meine Sushis nach einem Bilderbogen vor mir. Und ich bekam innerhalb von Minuten auch genau das vorbereitet vor meinen Augen. Bildschöne, muss ich sagen und hab vor lauter Hunger kein Photo gemacht - zu blöd. Dann der erste Faux-pas, ich habe die Ess Stäbchen verkehrt rum in der Hand. Hihihih, die Damen tuschelten. Nun, ich gucke hinüber, lerne schnell, Stäbchen andersrum und los. Verliere fast nichts, mache keine Flecken und es schmeckt köstlich. Ich schlürfe den grünen Tee, der dazu gereicht wurde, so wie es sich gehört und dann werde ich mutig, ich frage o-kanjoo onegai shimasu, d.h. die Rechnung bitte. Die beiden Damen erstarren, sie denken nun, dass ich alles, was sie sich über mich zuflüsterten, verstanden habe. Die zwei Sushi Chefs machen hihihi und deuten dorthin, wo ich bezahlen muss. Mit einem fröhlichen sayoonara verabschiede ich mich. Sie sind alle perplex.
Und dann gehe ich dahin, wohin sicher der liebe Rainer mit mir gegangen wäre - zum Sony Center, um einen Blick in die technische Zukunft, die uns erwartet, zu werfen. Und ich muss sagen, es war die Wucht, u.a. 3DTV, man musste mir dann sagen, dass der Ladenschluss ansteht. Sonst wäre ich vielleicht jetzt noch dort.


Besuch in einem Kabuki-Cho Theater

Elsbeth in Japan

Nach meiner Shopping Tour in Ginza beschloss ich noch spontan, in das alte Kabuki-Cho Theater zu gehen, das in derselben Strasse liegt wie die grossen Kaufhäuser. Dieses alte Gebäude hat den Immobilienrausch (ein m² hier soll angeblich 300.000$ kosten) überlebt. Kabuki-Cho ist eine alte Tradition und sehr beliebt. Alle Rollen werden von Männern gespielt. Die Stücke sind traditionelle Komödienstücke, die einfach nur unterhalten sollen. Ich bekam nur noch einen Stehplatz ganz oben, alles war ausverkauft. Der Besuch dieses Theaters kann das Image, das wir von den Japanern haben, total umkrempeln. Ich habe noch nie sowas erlebt. Das Publikum war begeistert, wie Italiener. Das Stück handelte vom Verteidigen der Jungfräulichkeit, die Ehefrau, die ihre Ehre verteidigen muss, tapferen Samurais und tolpatischigen Dienern etc, Sex and Crime, alles was so ins Cliché passt. Und die Menschen schrieen oft wie im Kasperletheater, wo die Kinder schreien, Kaspar, pass auf, der Verbrecher steht hinter dir.
Eine Burleske und natürlich die Männer in Frauenrollen mit Geishakostümen und weiss geschminkt. Immer wieder Applaus auf offener Szene. Einige Schauspieler, die neu hinzu kamen, wurden mit Gegröhle begrüsst. Also so gar nicht zurückhaltend, wie wir die Japaner sonst kennen. Man sah viele Männer noch in ihren Büroanzügen, weisses Hemd, schwarze Hose ist hier so die Uniform des Salarismannes.
Ihr seht, mein Abend war ausgefüllt und nach einem schlechten Start heute morgen, muss ich jetzt eine Mütze Schlaf nehmen, denn sonst hocke ich rum wie die Japaner, die stehend und sitzend in der U-Bahn in den Schlaf fallen. Die U-bahn ist sozusagen das verlängerte Schlafzimmer der japanischen Angestellten. Die Japaner sind eine Nation mit chronischem Schlafmangel. Laut unserer Reiseleiterin kommt ihr Mann erst nach Mitternacht nach Hause und ihr Abendessen findet um 1 Uhr nachts statt. Er beginnt seine Arbeit um 9.30. Mittlere Pendlerstrecke einfach in Tokyo 70 Minuten!!! Und das ist völlig normal.