Friday, 4 September 2009

Reise auf die Insel Shikoku

Elsbeth in Japan
2.9.
Von Okayama nach Matsuyama
Ich habe beschlossen, die Insel Shikoku aufzusuchen. Sie ist weniger populär bei ausländischen Touristen. Mal sehen, wie das so ist, wenn man in die wirkliche Provinz sich verirrt.
Im Reiseführer steht: The least-developed and rarely visited of Japan's four main islands, Shikoku's attraction (and drawbacks) are attendant on its relative isolation. The island can provide a more "Japanese" experience than either Honshu or Kyushu. Its people are less familiar with foreigners ....
Also dann kommt noch die Information, dass erst 1988 die Insel mit dem Festland per Brücke verbunden wurde. Sie ist die längste doppelstöckige Brücke der Welt, unten Strasse, oben Zug.


Ja und genau so war mein Aufenthalt auf Shikoku.
Schon die Toursiteninformation in Matsuyama war eine Klasse für sich. Wer hat denen nur das Schild geschreiben "We speak English".
Mein Japanisch war besser, das sagt alles!
Ich wusste, dass ich die Tram nehmen muss, aber welche und wo???
Ich hatte Glück. Ein uraltes, mageres Männchen sieht meine Probleme - und siehe da, er spricht ein wenig Englisch, er war früher gehobenes Management. Er zeigt mir, wie ich zu meinem Hotel komme. Er nimmt sich die Zeit und fährt mit mir 20 Minuten Tram, um sicher zu sein, dass ich richtig ankomme. Auf der Fahrt deutet er mir die Highlights von Matsuyama an - wenigstens die Highlights, die er als solche empfindet.
Bei jedem Café oder jeder Bäckerei, an der die Tram vorbeifährt, schreit er "good cakes, good bakery" und lacht sich halb kaputt.
Er geht dann mit mir sogar noch bis zur Rezeption des Hotels, um sicher zu sein, dass ich aufgenommen werde. Ich muss sagen, die japanische Gastfreundschaft beeindruckt mich immer wieder aufs Neue.
Und nun zu meinem Hotel. Es ist gleich neben den Dogo Onsen, zwei Thermalquellen, eine davon stark salzhaltig, die schon seit über 3.000 Jahren von den Menschen genutzt werden. Hier hat auch der Kaiser sein privates Bad seit dem 19. Jahrhundert.
Nun, nach einer Besichtigung der Stadt und der Burg mache ich das, was viele Japaner nach 18.00 Uhr machen. Ich ziehe mir meinen Badekimono an, das sind Kimonos, die in jedem Hotel jeden Tag frisch aufs Bett gelegt werden, und ziehe diese komischen Holzsandalen an mit den 2 Absätzen (vorne und hinten) und stolziere durch den Ort. Als Europäerin falle ich natürlich auf wie ein bunter Hund und die Japaner lachen sich zu Tode, ich lache zurück. Ich denke das ist für die so wie wenn die Japaner in Bayern mit Lederhosen und Bierkrügen herumrennen. Ich lache vor allem auch, da Männlein wie Weiblein beim Flanieren Han in Hand zum Bad und zu den diversen Restaurants nach dem Bad ein kleines Körbchen in den Händen tragen, Darin haben sie ihre Wertsachen, Seife, kleine Waschlapppen etc. Den Rest wie Shampoo, Haarconditioner, Cremes, Haarföhn etc bekommt man in den Onsen.
In der Onse selbst bringe ich auch das Personal auf Trab, denn ich wähle ganz grossartig die teuerste Badeversion mit Tee, Kuchen, Ruheraum (alles in wunderschönem Jugendstil eingerichtet) und anschliessend Besichtigung der kaiserlichen Räume.
Ich muss sagen, die japanische Badekultur gefällt mir. Sehr entspannend, sauber und gepflegt.
Im Anschluss gibt es ein Kurkonzert auf japanisch wohin dann alle Kimonoträger strömen. Ein muskulöser Musiker schlägt auf riesige Trommeln ein. Es verreisst einem das Trommelfell, aber die Japaner sind hin- und hergerissen von dieser Vorstellung.
Da es sehr heiss war, sind die Abende ebenfalls noch warm und angenehm, so sitzen denn alle draussen und ich auch, ich genehmige mir mir wie alle anderen noch ein schönes Eis.
3.9.
Matsuyama - Onomitchi
Leider muss ich mich schnellstens nun auf den Weg in Richtung Tokyo machen. Ich beschliesse, dies nicht auf die einfachste Art und Weise zu tun, also mit dem Zug. Ich bin neugierig und will die Brückenanlagen von Insel zu Insel sehen, was allerdings nur mit dem Bus zu machen ist.
Auf Shikoku ist fast alles nur auf japanisch beschriftet, selbst die Zahlen. Im Restaurant wusste ich nicht, was ich bestellte und ich wusste auch nicht den Preis, denn ich kann die Zahlenschriften nur bis 5 entziffern. So, nun muss ich einen Busfahrplan lesen, der absolut unlesbar ist. Die Leute sind hilfsbereit, aber sie kennen sich nicht so aus. Nun irgenwie gelang es mir, den richtigen Bus zu kriegen. Und ich muss sagen, die Strecke ist atemberaubend, auch wenn leider der blaue Himmel gefehlt hat. Es war heiss, schwül und bewölkt.
Diese Hängebrücken sind Meisterwerke der Ingenieurskunst, denn sie haben schon einige Erdbeben überstanden.
Mein Umsteigen in einen anderen Bus war ein wenig eine Katastrophe, denn der Fahrer setzte mich raus an einer kleinen Haltestelle an der Autobahn mitten in Nirgendwo (ob da wohl wirklich ein Bus kommen wird???).
Aber wie immer, man fragt sich mit dem Lexikon und den Händen durch und ich finde dann den Anschluss an den nächsten Bus nach Onomichi.
Onomichi ist eine kleiner Hafenstadt auf Hokkaido. Eine liebenswüdige Stadt mit Charme. Hier wird ein typisch japanisches Touristen Highlight angeboten, ein Literaturweg, vorbei an Tempel usw. Denn diese Stadt hat mehrere Dichter hervorgebracht. Es gibt ein Literaturmuseum und am Literaturweg sind Gedichte in Steine eingemeiselt. Für mich ist dieser Literaturweg nur interessant wegen des schönen Blickes auf das Meer und die Inselwelt, die zwischen Hokkaido und Shikoku liegt.
Abends leiste ich mir ein gutes Fischmenü.
Morgen kommt der grosse Schlag in Richtung Norden, 900 km im Shinkansen in 4 Stunden.