Friday, 4 September 2009

leaving Koyasan

Elsbeth in Japan
1.9.
Heute morgen wieder um 5.30 aufgestanden, zwar sehr müde, aber das Erlebnis der morgendlichen Zeremonie will ich mir nicht entgehen lassen.
Die Feuerzeremonie ist einzigartig und man versteht, warum die Leute gerne bei Beerdigungen plötzlich Shingon Buddhisten sind. Der Japaner ist sehr pragmatisch, er nimmt sich von allem das, was er nötig hat.
Nach der Zeremonie werde ich von den Mönchen zu einem Tee eingeladen. Es waren nur sehr wenig Besucher da und sie haben bemerkt, dass ich zum zweiten Mal teilnehme.
Gerne nehme ich die Einladung an und es kommt zu interessanten Gesprächen, da einer der Priester ein Deutscher aus Regensburg ist, ich hatte also einen Übersetzer und jemanden, der mir viel erklären konnte.
Der Buddhismus konnte in Japan so gut Fuss fassen, das er bereit war, eine Geburten- und Sterberegister zu führen und die Totenzeremonien zu halten, mit denen der Shintoismus nichts zu tun haben will. Sie wurden dann recht mächtig innerhalb des Staates, denn die ganze Statistik war in ihren Händen. Wie schon erwähnt, wurden sie so mächtig, dass der Kaiser aus Nara wegzog und seine Hauptstadt nach Kyoto verlegte, um der Einfluss Sphäre des Buddhismus zu entkommen.
Es wurde ganz lustig, es gab Kuchen und einige der alten Mönche gaben sich total der Naschsucht hin. Sie hatten so lustige Äuglein, dass ich denke, dass in ihrer Jugend auch noch andere Laster hinzukamen. Auf jeden Fall Trinken gehört auch zu ihrem Laster, das habe ich gestern abend bemerkt.
Dann gegen später kommt die Küchenhilfe total gestresst, mein Frühstück steht schon lange bereit. Ich geniesse nochmals das gute japanische Frühstück und dann ist auch für mich Zeit, mich rasch auf den Weg zu machen, denn die Züge in Japan sind furchterregend pünktlich.
Im Eilschritt schiebe ich meinen Koffer zum Bus, dann Zahnradbahn. Unterwegs fallen mir zum ersten Male die speziellen Apfelbäume dieser Gegend auf. Ich habe zum Essen säuerlich eingelegte grüne Äpfel bekommen. Es soll eine Sorte sein, die es nur hier gibt und die man nicht normal essen kann sondern nur eingelegt. Sie werden total grün geerntet. Diese Apfelbäume habe Blätter, die mindestens 3mal so gross sind wie die von unsere Apfelbäumen. Die Früchte sollen sehr gesund sein. Auf jeden Fall, ich fand sie sehr schmackhaft, wenn auch für einen europäischen Gaumen ungewöhnlich. Der Express Zug nach Okayama führt wieder durch tropische Vegetation bis kurz vor der Grossstadt.
Nach Futon Matte und Reiskissen (das sehr gewöhnungsbedürftig ist, da betonhart) habe ich mir via Internet dort ein gutes Hotel reserviert,
In Osaka habe ich Aufenthalt, das genügt mir, um den Koffer in ein Schliessfach zu geben (die hier überall in ausreichenden Mengen zu finden sind) und dann eine schnelle Tour durch die Stadt zu machen. Hier ebenfalls eine fantastische Interpretation der modernen Architektur. Wirklich, da sind die Japaner führend. Ihre Skyline ist zwar niedriger als anderswo aufgrund der Erdbebengefahr, aber sie ist ästhetisch schön.
Dann Weiterfahrt mit dem Shinkansen. Ein Erlebnis der modernen Zugfahrt. Es ist nicht nur die Lokomotive motorisiert, sondern jeder Wagon ebenfalls. Dadurch die hohen Geschwindigkeiten. Die Landschaft fliegt dahin. Es wird kurz vor einem Haltepunkt immer genau angegeben wieviele Minuten der Zug hält. Meist ist es nur eine Minute und eine Minute ist für einen japanischen Zugführer genau 60 Sekunden, wer dann nicht draussen ist, hat halt Pech gehabt, er fährt eine Station weiter. Die Türen schliessen automatisch. Entsprechend diszipliniert und organisiert stellen sich die Japaner darum vor der Tür auf. Es geht nicht hektisch zu - eigentlich nie in Japan und trotzdem ist der Rhythmus schnell - wenn ein altes Mütterchen vor der Tür steht, dann wird alles getan, um sie flott nach draussen zu setzen, und wenn man sie auch halb tragen muss. Jeder weiss, dass sein eigenes Aussteigen davon abhängt, dass Muttchen nach draussen kommt und nicht die Tür blockiert. Vor dem Einstieg haben die anderen Passagiere eine Schlange gebildet, die geduldig den Ausstieg abwartet, bevor sie sich in Bewegung setzt. Mit dieser Art des Ein- und Ausstiegs kommt nie Stress auf und es geht wirklich schneller. Hier könnten wir viel lernen.
Auf der Weiterfahrt beschliesse ich spontan noch in der Haltestelle Himeji auszusteigen, um die besterhaltene Burg Japans zu besuchen. Eine der wenigen Burgen, die aus dem 16. Jahrhundert erhalten blieben und nicht total neu rekonstruiert wurden. Die Amerikaner haben Himeji bei ihren Bombardierungen übersehen, ein grosses Glück. Viele andere Burgen und Kulturgüter haben sie gnadenlos zusammengebombt. Kyoto blieb nur erhalten, da ein Japanologe das Ohr des Präsidenten fand, sonst wäre es auch ausradiert worden.
Dann abends Ankunft in Okayama und dort muss ich nun mein gutes Hotel suchen, dessen Adresse nur sehr vage formuliert war, eben auf japanisch. Es sei ein 4-Sterne Hotel für nur 48€, mals sehen. Da es in Bahnhofsnähe sein soll, gehe ich zu Fuss. Ich muss auch in der richtigen Gegend sein, aber keiner kennt das Hotel und keiner spricht Englisch. Sie zeigen mir zwar ein tolles Palasthotel, das kann es ja nicht sein für 48€. Ich ziehe also mit meinem Koffer 3 Mal an diesem Hotel vorbei, das auch einen anderen Namen hat. Aber eine sehr nette Frau bedeutet mir, dass dies wohl das einzige sein kann, das in etwa meiner Namensbeschreibung entspricht. Ich frage dann an der Rezeption, die mir dann zur Aufkunft gibt, dass sie mich erwarten. Ein toller Schuppen, ich war platt. Die Wirtschaftskrise lässt grüssen, die Business Hotels der Oberklasse haben grosse Probleme und über Internet kann man richtig Schnäppchen machen.
Ich gehe früh ins Bett und geniesse den Luxus, denn ich habe nach all den Morgenmessen Schlafdefizit und muss am nächsten Tag auch wieder früh raus, dann geht es nach der Insel Shikoku.